Schotter / schottern

aus spur1.org, der freien Wissensdatenbank

Die Meinungen darüber mit was und wie man am besten, am günstigsten oder am schnellsten Spur 1 Gleise einschottert, gehen sehr weit auseinander.
Hier sollen deshalb nur verschiedene Methoden nebeneinander gestellt und generelle Tipps zum Schottern gegeben werden. Wobei mit SCHOTTERN nicht nur das eigentliche "Versenken" der Schwellenjoche gemeint ist, sondern die Belegung von Flächung mit Schüttmaterialen wie Sand, Kies und auch Schotter.


Grundsätzlich besteht erstmal die Frage:

Mit was soll eingeschottert werden?

Nun dies ist abhängig vom Thema des Moduls. Je nach geografischer Vorbildlage, variiert auch die Art, und Sorte des Vorbildschotters. Eine Übersicht der verschiedenen Materialien (und natürlich auch diese selbst) bietet die Firma Asoa [1]. Dort bekommt man so ziemlich alles, was es beim Vorbild auch gibt, nur entsprechend maßstäblich verkleinert. Selbstredend hat Asoa auch entsprechenden Kleber und Fleißverbesserer im Programm. Wem es etwas weniger anspruchsvoll reicht, der kann auch ähnliche Produkte z.B.: von Jeweha-Modelbouw [2] verwenden.


EIn Tipp: Erstmal eine Probepackung bestellen so kann man sehen, welche Sorte für welchen Zweck am besten ist.


Und dann wäre da ja noch das Einschottern mit Katzenstreu. Eine Methode, von der ich bisher nur gehört habe. Sie bisher aber noch nie irgendwo angewendet gesehen habe. Sollte sich damit eine zufriedenstellende Optik erzielen lassen, ist dies preislich sicherlich eine interessante Alternative für Großanlagenbauer.

Bei einer Sandbettung, wie sie früher in ländlichen Regionen durchaus üblich war (siehe Kleinbahnen der Altmark), aber auch sandigen Flächen, kann man natürlich ebenfalls die Produkte o.g. Produzenten verwenden. Jedoch, da hier in der Regel die Korngrößen in der Natrur in ausreichender Menge vorhanden ist, kann man getrost original Sand oder Spielkastensand verwenden. Dieser muss dann nur entsprechend ausgesiebt werden. Bei "Industriesand" also Spielkastensand, Vogelsand, Terrariensand usw., sollte man verschiedene Sorten mischen, da eine Sorte zu gleichförmig wirkt. Einfach mal beim Spaziergang ein Eimerchen mitnehmen ... Sieben können Sie ja zu Hause.:-)


Noch'n Tipp: Der Modellbahnhuber wird sicherlich hingehen und die original Korngrößen auf 1:32 herunterrechnen. - Kann man machen:-)!
Ich besorge mir meist Vorbildfotos (möglichst in Farbe) um zu sehen wie der Untergrund von der Farbe und Struktur her wirkt. Ist er eher homogen "zusammengebacken", oder kieselig "locker". Dann hole ich mir meist ein Preiserlein und stelle es auf den gesiebten Sand. Meist wird man feststellen, dass die Körnung doch noch zu grob ist und man doch noch feiner sieben muss. Man erkennt dies daran, dass der Sand meist noch wie ein Geröllfeld aussieht, verglichen mit den feinen Details an Schuhen und Kleidung des Preiserlein. Auch empfiehlt es sich mal einen Fußabdruck mit der Figur im Sand zu machen oder ein Modellauto darüber "fahren" zu lassen. An den Abdrücken erkennt man, ob das Maß der Körnung passt.
Auf den Seiten des BDEF findet sich zu dem auch eine "Planungshilfe Schotter" [3]


Bei einer Festen Fahrbahn entfällt das Schottern komplett - wie paktisch! Allerdings wer sich das Vorbild und dessen unterschiedliche Ausprägungen ansieht, wird feststellen, dass es durchaus reizvoll sein kann dies im Detail nachzubilden. Wie beim Bau von Straßenbahntrassen im Fahrbahnplanum ist man in Spur 1 auf kompletten Selbstbau angewiesen. Ein Hersteller gibt es meines Wissens dafür nicht.




Die nächste Frage:

Wie schottere ich und wie kriege ich den Schotter fest?

Für das Einschottern gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Die einen bevorzugen einen Becher, andere verwenden einen Trichter andere nehmen einfach Löffel. Wie man den Schotter auf das Gleis bekommt ist noch relativ egal.

Wichtig und interessant ist, wie er dazwischen kommt und dort so liegen bleibt, dass ein Fahrbetrieb möglich ist und optimalerweise es später auch noch so aussieht wie beim Vorbild?

Hierbei sind verschiedene Pinsel hilfreich, idealerweise welche mit härteren Borsten. Damit lässt sich das Schotterbett regelrecht modellieren (Vertiefung für den Streckengeher, Schotterkronen recht und links vom Gleis). Außerdem verwende ich Holzspieße (Schaschlikspieße), zum einen zum Stopfen des Gleisrostes, zum anderen zum Entfernen von Schotter der sich an Stellen befindet wo er nicht hin soll.

Und wieder ein Tipp: Einfach ausprobieren und immer wieder mit dem Vorbild vergleichen. Wichtig ist: festgeklebt wird erst, wenn alles perfekt ist oder zumindest so ist, wie Sie es wollen und der Fahrbetrieb störungsfrei läuft!

Das befestigen des Schotters ist auch schon schon wieder eine Glaubensfrage: Geht es nach der Industrie, kann man nur speziellen Schotterkleber am besten mit speziellem Fließverbesserer verwenden. Dennoch hält sich außerordendlich stark die Methode mit Weißleim und Spüli zu kleben. Vorweg: Man sollte es einfach mal ausprobieren. Was leider nicht zu bestätigen ist, dass elastischer Schotterkleber allein geräuschabsorbierend wirkt! Und leider auch nicht, dass alles damit bombenfest wird. Ich habe verschiedene Dosierungen und Fabrikate ausprobiert. Irgendwann löst es sich doch, so dass nachgeklebt werden muss. Auch konnte ich bisher keine Flasche mit Sprühkopf finden, bei der der Kleber nicht schon im Kopf selbst seine Wirkung entfaltete. Dies aber mit voller Effizienz!:-) Was stimmt ist, dass die Kleber meist keine sichtbaren Rückstände auf dem Schotter hinterlassen.

Was für die Weißleim-Methode spricht ist, der unschlagbar günstige Preis.




Die Vorgehensweise des Einschotterns

beschreibt Berthold Benning (Danke für die Genehmigung!) aus seinen Erfahrungen, die aber inzwischen Allgemeingültigkeit erlangt haben:
"Schaummaterialien sollen gar nicht so gut sein zum Unterbau. Weichschaum schon gar nicht. Viele nehmen Kork als Unterlage (min 8mm). Andere benutzen Teppichreste von übrig gebliebener Verlegeware. Auch Hartgummi (Industriegummi) wurde hier angesprochen. Solange nichts verschottert ist, haben Sie auch eine wunderbare leise Kulisse, aber nach dem Schottern ändert sich das auf jeden Fall, weil nach dem Aushärten des Leimes eine ziemlich harte Verbindung entstanden ist.
Was wichtig ist: Keine Verbindung des Schotters über den Rand der Schallisolierung zum Unterbau. Befestigungen wie Schrauben und Nägel vor dem letzten Schottern entfernen. Durchbohrungen für Kabel am Besten nach Verlegung der Kabel mit Dichtungsmasse machen, sonst fließt das Wasser-Leim Gemisch garantiert hier hinein = Resonanzverbindung. Bei Kork auf jeden Fall mit Klarlack o.ä. eine gewisse Isolierung machen, sonst saugt Kork das Wasser-Leimgemisch und wird hart. ASOA hat etwas elastischen Schotterkleber, der auch ein wenig dämpft. Dabei besteht aber das Problem, dass Sie Ihre Schienen nicht mehr abbauen können, falls es einmal zum Umzug kommt, es sei denn, Sie haben Trennstellen (Module o.ä.) Ich hatte zum Glück Weissleim-Wassergemisch genommen und konnte deshalb alle auch 3m Schienen vor der Zerstörung retten und nun nach dem Umzug alles wieder verwenden ohne Beschädigung = durch Wasser sprühen. Sogar den Schotter konnte ich durch Spülen wiederverwenden. ... ganz normaler Ponal (Schleichwerbung, ich bekomme aber nichts von Henkel) , nur keinen wasserfesten (Anm.d. A.: wie z.B. Parkettleim) nehmen, den bekommen Sie nach der Aushärtung nicht mehr los."

Das Wasser-Weißleim-Gemisch sollte ebenfalls mit einem Spritzer Spüli entspannt werden. Auf keinen Fall mehr, denn sonst fängt es im Schotter an zu schäumen!

Hat man sich also für den Kleber seiner Wahl entschieden, gilt es die Fläche mit einen Fließverbesserer zu benetzen, da der Kleber sich dann besser in die Zwischenräume saugt. Der Vorteil ist, dass insbesondere bei feinen Sanden keine Körnchen wegschwimmen. Als Fließverbesserer haben sich die angebotenen Industrieprodukte sehr bewährt, aber auch ein Gemisch aus Wasser mit einem Spritzer Spüli entspannen die Oberfläche, denn nichts anderes tun die Fleißverbesserer. Mit einer Sprühflasche nebelt man die Fäche oder den Gleisabschnitt ein, um danach die eigentliche Fixierung mittels Kleber vorzunehmen.

Tipp: Für alle die gebeizte Hölzer wie z. B. Holzschwellen einschottern wollen, ist Vorsicht geboten. Meist ist die Beize wasserlöslich, was zur Folge hat, dass sie bei einem erneuten befeuchten mit Fließverbesserer oder Weißleim-Wasser-Spüli-Gemisch-Kleber regelrecht ausbluten und sich im Bett verteilen kann. Also muss sie vorher mit Klarlack versiegelt werden. Als Workaround dazu bietet sich an, das Holz gleich mit Revell Farben o.ä. zu "beizen", dann ist die Farbe feuchtigkeistresistent. Das Ergebnis einer solchen Behandlung ist unter (http://www.ig-spur-1-muenster.de/Schwellenschnitzerei/Schwellenschnitzerei.html) zu sehen. Der Nachteil dieser Methode ist, dass man sich selber austüffteln muss welchen Farbton das Holz aufweisen soll. Bei Asoa gibt es fertige Beizen für verschiedene Zwecke und Holzzustände.

Ist der Abschnitt benetzt kann man den den Kleber auftragen. Dies geht mit einer speziellen Flasche, die es in aller Regel bei den Herstellern von Schotterklebern gibt, oder man besorgt sich eine Pipette und pippetiert sich durch das Gleisbett. Wichtig dabei ist, die Pipette so dicht über die Oberfläche zu halten, das die Klebertropfen sich gar nicht erst zu einem solchen ausbilden, sondern direkt in Schotterbett ziehen. Andernfalls wird der Tropfen zu so etwas wie einem "Geschoss", das bei feineren Gesteinen/Sanden wie eine Flutwelle" wirkt und wahrlich einen Krater hinterlässt.




Zum Abschluss noch ein wichtiger Hinweis, dass man die benötigte Zeit nicht unterschätzen sollte. Während das benetzen mittels Sprühflasche noch sehr zügig von der Hand geht, nimmt das modellieren des Schotters, Befreien der Weichen und Kleineisen von verkeilten Steinchen, sowie das Pippetieren und anschließende Trocknen ziemlich viel Zeit in Anspruch. Also rechtzeitig anfangen!

Was zum Gleisbau selbst zu sagen ist, folgt demnächst. JF 27.11.2005

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