S49-Schienenprofil
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Warum S49-Schienenprofil ?
Um diese Frage zu beantworten, muß ich ein wenig in meine Historie abtauchen. Mitte der 60-ger habe ich versucht, meine Märklin-Blechweichen zu schottern, angetrieben vom „Konkurrenzkampf“ mit meinem „Fleischmannkumpel“, der so toll geschottertes Gleis hatte. Dagegen sah mein Blechgleis doof aus mit dem Schotter –-an sich schön--, der höhenmäßig über den Schwellen lag: komisch, nicht zufriedenstellend....
Als alter Märklinist, nach Jahren der Modellbahnruhe, gab es einen neuen Aufschwung mit dem K-Gleis und Märklin-Digital. Wie viele H-Nuller, jede Woche Besuch bei einem oder mehreren Modellbahndealern. Neues gekauft, nichts fertig gebaut, aber alles haben wollen – der bekannte Teufelskreis! Aber auch das nutzt sich irgandwann ab.
Märklin "Neue Spur 1": der Preußenzug und dann die Schweizer Güterwagen in der wahnsinnigen Detaillierung und – klar – Digital. Schullernweichen, um mit Schraubenkupplungen zu fahren. So schön diese Weichen waren mit ihrem S54-Schienenprofil, so schäbig waren die Kleineisen aus Blech, die auch noch zweifach genagelt werden mußten.
Da die Entscheidung Spur 1 gefallen war, begann ich, beim Oberbau genauer hinzusehen, gab es doch vieles (oder besser das meiste), was ich nicht wußte, was ich entdecken konnte: meine Neu- und Wißbegierde wurde geweckt.
Gespräch mit Herrn Hübner, doch bitte Schienenstühlchen für den Weichenselbstbau herzustellen, Kennenlernen des Hegob Gleissystems mit Kunststoffkleineisen auf Kunststoffschwellen. Und dann noch Schullern mit Holzschwellen. Viele Versuche, auch einige schöne Weichen, aber so richtig war das nichts. Dann HP1 von Herrn Kosak gelesen: EW 190 1:9 in H0. Die Originalpläne der DRG von H0-Perfekt. Das ließ mich nicht mehr los.
(immer wieder lange Schaffenspausen dazwischen)
Ergebnis: einfache Gleisverbindung mit zwei EW 190 1:9 und 4m Gleismittenabstand in 1:32. War das ein "Gekrücke": Zeichnung auf dem Fotokopierer hochkopiert, zusammengeschnipselt, auf Karton aufgezogen. Mit Skalpell die Schwellen herausgeschnitten, um eine Kartonschablone zu erhalten. Holzschwellen auf Länge gebracht, Aushobelung von Hand gefeilt und dann kam das Spannende: wie die Schwellen für die Schienenstühlchen exakt bohren?! Zweite Schablone erstellt mit Bohrpunkten – es paßte hinlänglich bis auf die Schwellen, die verbohrt waren und komplett neu gemacht werden mußten, weil sich immer etwas verzog. Nun wurden die einzelnen Schienenteile auf Maß gesägt und provisorisch zusammengebaut.
Da die Schienenstücke immer von Doppelschwelle zu Doppelschwelle liefen, stellte sich die Frage, wie die miteinander verbinden. Mit den handelsüblichen Schienenverbindern ging das nicht wirklich: zu klobig, zu umständlich – also, warum nicht wie beim Vorbild, verschrauben? Erst mal M1-Schrauben und –Muttern finden und geeignete Profile! Aber Sechskantkopf? – Nein, wenn schon so viel Aufwand, dann auch Vierkantkopf wie beim Vorbild: selbst herstellen – mehr schlecht als recht und Glück: ich bekam tatsächlich welche durch Zufall.
Wenn ich so lese, was ich hier schreibe, merke ich, wie mit dem Modellbau und seinen Problemen und Problemchen im Laufe der Zeit eine intensivere Beschäftigung mit dem Vorbild sukzessive erfolgte und ich klammheimlich zum „Nietenzähler“ im Gleisbau wurde. Man kennt das ja: dies und jenes stimmt nicht, warum die hohen Spurkränze, die nur Schwierigkeiten bereiten und, und, und: ein Prozeß, der nicht bewußt abläuft, sondern je tiefer ich in die Materie einsteige (Uni-Bibliothek-> Fachbücher suchen und ab unters Kopfkissen und ständig neue Erkenntnisse...), um so mehr bekomme ich einen Begriff von der Systematik des Oberbaus beim Vorbild.....(ich glaube es zumindest)
Ich erinnerte mich der Diskussion um Tilligs Federschienenzungen, konnte mich überzeugen, daß die – wie beim Vorbild – ausgezeichnet funktionieren. Also mußte das auch für Spur 1 gehen und es ging, zumindest bei so langen Weichenzungen wie bei der EW 190 1:9 – mittlerweile habe ich bei der HSB gesehen, wie das mit wesentlich kürzeren Zungen geht: die Ausfräsung des Schienenfußes wurde einfach um ca. ein Viertel verlängert.
Das nächste Problem bildeten nun die Herzstücke. Ich hatte welche gesehen, die komplett verschraubt waren, eine alte Bauweise. Das faszinierte mich und ich schaffte es, sie mit viel Mühen zu verwirklichen. Futterstücke waren das Thema. Mit ihnen konnte ich die Rillenweite so einstellen, daß die Weichen mit verschiedenen Radsätzen befahren werden konnten, aber nur FineScale mit entsprechendem Radsatzinnenmaß oder nur NEM-Radsätze. Das gilt natürlich auch für die Radlenker, auch geschraubt, auch individuell anpaßbar.
Na ja, das sieht mit NEM-Radsätzen schon richtig gut aus und erst recht mit Rillenweiten für FineScale. Aber das Schienenprofil schien mir zu klobig, schon, wenn ich das alte Schullernprofil (entspricht in etwa dem S54-Schienenprofil) danebenhielt. Es ist nicht allein die Profilhöhe, es ist die gesamte Anmutung, wenn z.B. eine große oder auch kleine Dampflok mit abgedrehten Spurkränzen auf dem Gleis steht; die Relationen, die beim jeweiligen Modell IMMER stimmen müssen, passen nicht zueinander. In der Vitrine schon gar nicht.
Also, wenn etwas Neues, dann aber richtig: S49 ist in Epoche 2 und 3 das am meisten verwendete Gleisprofil und liegt auch heute noch auf vielen Nebenbahnstrecken und Nebengleisen. Zu dem zierlichen Gleisprofil paßt natürlich auch kein einfaches L-Profil für die Radlenker mehr: das vorbildliche Rl-49-Profil muß her, ebenso entsprechendes Zungenprofil Zu2-49. Da das S49-Schienenprofil nur 3,9mm am Fuß mißt, werden zwangsläufig auch neue Kleineisen gebraucht. Die sollten so beschaffen sein, daß auf der Strecke das Schienenprofil vorbildlich nach innen geneigt ist. Toll wäre die Rippenplatte Rp 18 für den Doppelschwellenstoß, bei dem die Schienen mit der Flachlasche Fl 41/49 zusammengeschraubt werden. Und für den Weichenbau alle Kleineisen ohne Neigung sowie die Gleitplatten für die Zungen und die für das S49-Profil unter der Federschienenzunge – ein Traum ?!, aber einer, der in Erfüllung geht.....
([Eddie], 3/3/2006)
PS: Wie der geneigte Leser bemerkt haben wird, fehlen natürlich noch eine Menge Details zur wirklich maßstäblichen Weiche. Z.B. Stützknaggen, die die Weichenzunge gegen Durchbiegen und damit gegen Spurerweiterung schützt, echte funktionsfähige Seilzugsteuerung der Weiche (Besig hatte das mal im Programm) und nicht zu vergessen den Klammerspitzenverschluß, der vorbildgerecht einrastet.....
